Der Weg in die Kunsthalle ist nicht weit!

Besuch der Wechselausstellung „Die Realität ist das Fantastische“ von Hubert Berke und Herbert Zangs in der Kunsthalle Schweinfurt

Ein besonderes kulturelles Highlight erlebten die Schülerinnen und Schüler der Oberstufen-Kunstkurse von Frau Hübner bei ihrem Besuch der Wechselausstellung in der Kunsthalle Schweinfurt. In der eindrucksvollen großen Halle des Museums, wo einst das große Schwimmbecken des Ernst-Sachs-Bades war, befanden sich die Kunstwerke zweier Vertreter der deutschen Nachkriegsmoderne: Hubert Berke und Herbert Zangs. Beide Künstler verbindet eine experimentierfreudige, oft überraschende Herangehensweise an Form, Material und Ausdruck – und genau das machte den Besuch zu einem eindrucksvollen Erlebnis.

Schon zu Beginn wurden die Gruppen von der Kuratorin der Ausstellung empfangen, die mit einer Mischung aus Fachwissen, Begeisterung und erzählerischem Talent durch die Räume führte. Ihre Führung erwies sich als weit mehr als eine klassische Einführung: Sie öffnete den Blick für die Hintergründe der Werke, erläuterte kunsthistorische Zusammenhänge und schaffte es, selbst komplexe Aspekte moderner Kunst verständlich und lebendig zu vermitteln. Immer wieder gelang es ihr, die Schülerinnen und Schüler einzubeziehen, Fragen aufzugreifen und zum Weiterdenken anzuregen.

Die Ausstellung bot einen vielfältigen Überblick über das Oeuvre von Herbert Zangs` abstrakter Malerei, geprägt von reduzierten Farben, den sogenannten „Verweißungen“, bei denen Zangs beispielsweise Stoffe oder Alltagsgegenstände mit weißer Farbe überzog und dabei nahezu zweidimensionale, leicht reliefhafte Spuren auf der Leinwand hinterließ. Aus diesem Grund gilt der Künstler auch als Pionieer der monochromen Malerei.

Einige Werke von Hubert Berke befanden sich ebenfalls in der großen Halle und wurden im Dialog mit Zangs` Arbeiten präsentiert. Berkes Arbeiten bestehen aus Alltagsgegenständen, Fundstücken und alltäglichen Materialien. Mit dieser Form der Objektkunst kamen die Schüler des Q12-Kunstkurses bereits in der Theorie in Berührung und es war besonders eindrücklich, Exponate der Objektkunst im Original zu erleben. In den Objektarbeiten Berkes konnten die Schüler und Schülerinnen fantasievolle Tierformen, Figuren oder Wesen assoziieren, aber auch in kinetischen Objekten oder auch Objekten, die Klänge produzierten, die humorvolle Seite der Kunst hautnah erfahren.

Der Museumsbesuch zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig moderne Kunst sein kann und wie unterschiedlich Künstlerinnen und Künstler auf die Herausforderungen ihrer Zeit reagieren. Für viele Schülerinnen und Schüler war es eine Begegnung, die den eigenen Blick auf Kunst erweitert hat – sei es durch die ästhetische Erfahrung, durch die spannenden Erläuterungen der Kuratorin oder durch die Erkenntnis, dass Kunst manchmal gerade dann wirkt, wenn sie irritiert, verblüfft oder zum Lachen anregt.

Eine Überraschung gab es noch für unsere Schülerinnen und Schüler: Herr Hock, Kunstlehrer im Ruhestand, den alle noch in guter Erinnerung haben, begrüßte uns in der Kunsthalle und begleitete die Führung. Im Anschluss zeigte uns Herr Hock die Ausstellung im Kunstsalon, die im Obergeschoss der Kunsthalle zu finden ist, wo ein junger Künstler aus Schweinfurt, Julian Kirchner, seine großformatigen Holzdrucke ausstellte. Da die Ausstellung „Amalgam“ von Herrn Hock kuratiert wurde, konnte auch er uns viel Hintergrundwissen über die Arbeiten Kirchners vermitteln. Die farbenfrohen, fantasievollen Holzdrucke Kirchners inspirierten in der darauffolgenden Kunststunde einige Schülerinnen und Schüler zu eigenen großformatigen Leinwandbildern.

So bleibt dieser Ausflug nicht nur als kulturelle Bereicherung in Erinnerung oder als Anstoß, Kunst als offenen Raum für Fragen, Ideen und persönliche Eindrücke zu begreifen, sondern auch um eigenes kreatives Potential zu entdecken.

D. Hübner